Die Ackermann-Gemeinde Erzdiözese Freiburg entstand 1949 aus einem Kreis sudetendeutscher Katholiken, die ihre Herkunft aus Böhmen und Mähren-Schlesien als Verpflichtung für ihr Wirken in Kirche, Vok, Staat und Gesellschaft empfanden.

Heute ist diese Gemeinschaft offen für alle, die sich ihre Ziele zu eigen machen un ddas Leben dieser Gemeinschaft verantwortlich mitgestalten wollen.

Gründung und Entwicklungen
der Ackermann-Gemeinde Erzdiözese Freiburg

Die Gründung der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg erfolgte bei der Tagung vom 07. bis 09. Oktober 1949 in der Caritashütte in der Teufelsklinge bei Seckach. Fritz Baier wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt und übte dieses Amt 30 Jahre äußerst erfolgreich aus. Weitere Mitbegründer waren u.a. Walter Seidel, Franz Jedelsky, Hans Klauda, Wolfgang Schwarz, Brunhilde Frieben, Irmgard Hanus, Elisabeth Jedelsky, Rudolf Diessner und Pfarrer Heinrich Magnani aus Seckach.

Unter Baiers umsichtiger Führung und mit der unschätzbaren Hilfe von Pfarrer Magnani erwarb die Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg bald großes Ansehen unter den katholischen Verbänden, trat sie doch von Beginn an aus christlicher Verantwortung für die Versöhnung und die GEstaltung einer guten Nachbarschaft mit Tschechen und Slowaken ein. Im Bewusstsein der Geschichte, die auf allen Seiten schwere Verletzungen hinterlassen hatte, leistete sie somit einen Friedensdienst im kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Bereich für Europa. Als die Gemeinschaft in der katholischen Kirche, für die die mitteleuropäische Partnerschaft ein Spezifikum darstellt, wirkt sie durch Begegnungen mit Menschen und Gruppen in Tschechien und der Slowakei und baut so Brücken der Versöhnung. "Die Ackermann-Gemeinde will die Zukunft gestalten. Die neue Nachbarschaft in einem zusammenwachsenden Europa wird nur gelingen, wenn wir eine gemeinsame Identität entwickeln. Dem christlichen Glauben kommt hierbei eine wichtige Rolle zu." (Brigitte Ziegler)

In grenzüberschreitenden Projekten, wie Symposien, Konferenzen, Studien- und Begegnungsfahrten sowie Familien- und Kulturwochen, baut sie Partnerschaften auf und erfüllt die Nachbarschaft mit Leben. Durch Bildungs- und Kulturveranstaltungen rückt sie die Geschichte, Kultur, Religion und Gegenwart der Länder Ostmitteleuropas in das allgemeine Bewusstsein. Wallfahrten, Gottesdienste und religiöse Programme sind Ausdruck der Identität als christliche Gemeinsachaft und verbinden uns mit den Christen in den östlichen Nachbarländern.

Besondere Höhepunkte im Jahresarbeitsprogramm der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg sind jeweils die Waldhoftagungen in Freiburg, die Nepomukfeier in Ettlingen, die Wallfahrt zum Hl. Blut nach Walldürn mit zeitweise über 10.000 Teilnehmenden - die Stadt Walldürn hat hierfür im Jahre 1987 die Patenschaft übernommen - und der Diözesantag in Rastatt.

Neue Möglichkeiten der Begegnung

Mit dem Fall der Mauer im Jahre 1989 und der Öffnung gegenüber dem Westen ergaben sich völlig neue Möglichkeiten des Brückenbauens und der Begegnung. Die Arbeit an der Versöhnung wurde jetzt praktisch, denn der Dialog wurde nicht mehr durch politische Machtstrukturen behindert. So entstand bereits 1993 mit der im selben Jahr gegründeten Diözese Pilsen eine Partnerschaft der Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg mit den Katholiken in der Diözese Pilsen, eine Initiative, die vom früheren Freiburger Erzbischof Oskar Saier und von Domkapitular Dr. Wolfgang Sauer nachdrücklich gefördert wurde. Auf- und Ausbau dieser Partnerschaft sind vor allem das Verdienst von Werner Tampe und Roland Stindl.

Nach nunmehr 20 Jahren ist hier eine Partnerschaft auf Augenhöhe entstanden. So fahren die Freiburger mindestens einmal im Jahr nach Pilsen und die Freunde aus Pilsen kommen regelmäßig zu den Waldhoftagungen in Freiburg sowie zur Nepomukfeier in Ettlingen. Die Ackermann-Gemeinde ist abera uch Mitveranstalter der Tschechischen Kulturtage in Freiburg und sie arbeitet mit dem Roncalli-Froum in Karlsruhe sowie weiteren Kooperationspartnern (wie Universität und Pädagogische Hochschule Freiburg) zusammen. Die Planung und Organisation derartiger Kooperationen liegt in den Händen unserer rührigen und äußerst effizienten Geschäftsführerin Heidrun Rothmaier.

Neben den Familienwochen im Haus St. Bernhard in Rastatt hat die Ackermann-Gemeinde mit der Jungen Aktion (JA) auch einen sehr aktiven Jugendverband; in ihm kommen Jugendliche aus Deutschland, Tschechien und der Slowakei zusammen, die sich engagieren für ein friedliches Zusammenleben der Völker in Europa einsetzen und sich für gesellschaftliche und religiöse Fragen interessieren.

Das Nepomukfest, das die Ackermann-Gemeinde vor einigen Jahren gemeinsam mit der Kolpingfamilie Ettlingen ins Leben gerufen hat - es wird von unserem Geistlichen Beirat Dr. Ludwig Weiß und von Werner Tampe betreut - schlägt eine Brücke zwischen dem Gestern und Heute und erinnert an die über 1.000-jährige Symbiose der Deutschen und Tschechen in Böhmen, beweist aber auch, dass unser Verband fest in Baden verwurzelt ist.

Für ihre Aktivitäten erhielt die Ackermann-Gemeinde in der Erzdiözese Freiburg allgemeine Anerkennung sowie höchstes Lob aus politischem und kirchlichem Munde. Bei der 50. Waldhoftagung 2004 würdigte Ministerpräsident Erwin Teufel den Verzicht der Vertriebenen auf Rache und Vergeltung sowie ihren frühen Einsatz für ein vereintes Europa. Versöhnung beginne mit der Begegnung von Mensch zu Mensch. Hier sei die Partnerschaft der Ackermann-Gemeinde Freiburg mit Katholiken im Bistum Pilsen beispielhaft.

Beständige Arbeit trägt gute Früchte

Am 8. November 2009 feierte die Ackermann-Gemeinde in einem Festakt bei ihrem Diözesantag in Rastatt ihr 60jähriges Bestehen in der Erzdiözese Freiburg. Im Einladungsschreiben formulierte der Diözesanvorstand: "Über 60 Jahre setzen wir uns nun schon für Frieden und Versöhnung in der Mitte Europas ein und dürfen zu unserer großen Freude feststellen, dass unserer beständige Arbeit allmählich gute Früchte trägt. Unrecht und Leid der Vertreibung sollen bei der Gestaltung der Zukunft Europas nicht ausgeblendet werden oder gar vergessen werden, aber der Bau von Brücken zu unseren östlichen Nachbarn in der Europäischen Union ist inzwischen mit Gottes Hilfe weit fortgeschritten. Die westlichen Brückenpfeiler sind von der älteren Generation seit langem errichtet worden, und nun gilt es, die östlichen Brückenpfeiler durch die von der Geschichte unbelastete Jugend so fest zu gründen und zu stärken, damit diese Brücken auch große Belastungen aushalten und nicht wieder einstürzen. Unser Schutzpartron, der Hl. Nepomuk, der auch in unserer Erzdiözese von vielen Brücken grüßt, ist uns hier durch seine Standhaftigkeit Vorbild und Ansporn."

In einem Grußwort lobte der Generalvikar des Erzbistums Freiburg, Dr. Fridolin Keck, die Ackermann-Gemeinde Freiburg als "Brückenbauer für ein christliches Europa". Indem sich die Ackermann-Gemeinde "der Gestaltung der Zukunft gleichermaßen verpflichtet weiß wie der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit", verwirklicht sie einen Gedanken, den Erzbischof Dr. Robert Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof Dr. Jzef Michalik als Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz in einer Erklärung zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs so formuliert haben: "Erinnerung kettet uns nicht and ie Vergangenheit, sie macht uns frei für die Zukunft.". Wo dies geschehe, werde Verständigung, Versöhnung und Friedensarbeit möglich - für all das stehe die Ackermann-Gemeinde, schrieb Keck.

Der Gründer und Organisator des Diözesanverbandes, Ehrenvorsitzender Fritz Baier, sagte in einem Rückblick auf die 1960-er Jahre: "Wir wollten nicht Dynamit, sondern Baustein sein mit geistig-sittlicher Ausrichtung, keine Massenorganisation, vielmehr als Sauerteig im deutschen Volk wirken." Baier appellierte an die Jugend, diesen Weg weiterzugehen, Baustein im geeinten Europa zu sein und so einen Beitrag für Heimat und Kirche zu leisten.

Nach den Worten von Bundesgeschäftsführer Matthias Dörr ist "der Prozess der Versöhnung noch nicht abgeschlossen". Diese könne man gut in den Medien verfolgen. Er formulierte als Aufgabe für die Christen in Deutschland und Tschechien das Hineinwirken in die jeweiligen säkularisierten Gesellschaften, das Aufarbeiten der Volksgruppenthematik und den Verweis auf die christlichen Werte. Weiter schrieb Dörr: "Die Ackermann-Gemeinde hat beherzt die Grundpfeiler einer europäischen Friedensarbeit aus der bedeutenden Friedensenzyklika von Papst Johannes XXIII. Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe, aufgegriffen und wird sie auch zukünftig in ihrer Arbeit umsetzen. Dankbar stellen wir fest, dass unsere junge Generation die friedensstiftende Arbeit unserer Gemeinschaft entschlossen und mit eigenen Ideen weiterführt und weiterentwickelt."

Erich G. Pohl, Diözesanvorsitzender der Ackermann-Gemeinde Erzdiözese Freiburg